Wiederholte Fehlgeburten: Ursachen, Diagnostik und wie IVF helfen kann

Was bedeutet wiederholte Fehlgeburt (Recurrent Pregnancy Loss)?

Eine Fehlgeburt zu erleiden ist schon schmerzhaft genug. Wenn es erneut geschieht, suchen viele Menschen nach einem Namen für das, was sie durchmachen, und nach einem Grund, warum es immer wieder passiert. Wiederholte Fehlgeburten, oft mit RPL abgekürzt, bezeichnen im Allgemeinen den Verlust von zwei oder mehr klinisch anerkannten Schwangerschaften vor der zwanzigsten Schwangerschaftswoche. Einige klinische Definitionen setzen voraus, dass die Verluste aufeinanderfolgen, während andere auch nicht aufeinanderfolgende Verluste mitzählen. Die Definitionen variieren leicht zwischen den medizinischen Fachgesellschaften, was ein Grund dafür ist, dass die Recherche zu diesem Thema online verwirrend wirken kann.

Wenn dies Ihre Erfahrung beschreibt, ist es wichtig, klar zu sagen: Wiederholte Fehlgeburten sind nicht etwas, das Sie verursacht haben, und Sie sollten das nicht allein tragen müssen. Es handelt sich um ein anerkanntes medizinisches Krankheitsbild mit einem strukturierten Untersuchungsansatz. Zwar findet nicht jeder Fall eine eindeutige Erklärung, doch viele Menschen, die RPL erleben, tragen später erfolgreich eine Schwangerschaft aus – manchmal ganz ohne Behandlung, manchmal mit gezielter medizinischer Unterstützung.

Häufige Ursachen wiederholter Fehlgeburten

Es gibt keine einzelne Ursache für wiederholte Fehlgeburten. Stattdessen betrachten Ärzte mehrere Kategorien möglicher Einflussfaktoren, und bei vielen Paaren können mehrere Faktoren gleichzeitig vorliegen.

Chromosomale Probleme im Embryo

Chromosomale Anomalien im Embryo gehören zu den am häufigsten festgestellten Ursachen früher Fehlgeburten, auch bei wiederholten Fällen. Diese Anomalien entstehen meist spontan während der Ei- oder Samenzellteilung und werden in der Regel nicht vererbt; ihre Wahrscheinlichkeit steigt mit dem mütterlichen Alter. In einer kleineren Zahl von Fällen trägt ein Partner eine balancierte chromosomale Umlagerung, die die eigene Gesundheit nicht beeinträchtigt, aber zu unbalancierten Chromosomen in Embryonen führen kann.

Uterine und anatomische Faktoren

Form und Struktur der Gebärmutter können bei Fehlgeburten eine Rolle spielen. Zustände wie ein Uterusseptum, Myome, die die Gebärmutterhöhle verformen, Narbengewebe von früheren Eingriffen oder eine von Geburt an unregelmäßig geformte Gebärmutter können die Einnistung oder das weitere Wachstum einer Schwangerschaft beeinträchtigen.

Hormonelle Faktoren und Schilddrüsenfaktoren

Schilddrüsenfunktionsstörungen, ob Unter- oder Überfunktion, sowie Erkrankungen wie schlecht eingestellter Diabetes oder erhöhte Prolaktinwerte wurden mit Fehlgeburten in Verbindung gebracht. Diese lassen sich in der Regel durch Blutuntersuchungen feststellen und sind nach der Diagnose meist gut behandelbar.

Antiphospholipid-Syndrom und Gerinnungsfaktoren

Das Antiphospholipid-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper bildet, die das Risiko einer Blutgerinnung erhöhen und mit wiederholten Fehlgeburten in Verbindung stehen. Es ist eine der wenigen RPL-Ursachen mit einem gut etablierten diagnostischen Test und Behandlungsweg. Die Evidenz für andere vererbte Gerinnungsstörungen als Faktor bei wiederholten Fehlgeburten ist uneinheitlicher, und ein Test darauf wird nicht von allen Fachgesellschaften einheitlich empfohlen.

Ungeklärte Ursachen

Selbst nach einer gründlichen Abklärung erhält ein erheblicher Teil der Paare keine klare Erklärung für ihre Verluste. Dies ist einer der schwierigsten Aspekte von RPL, mit dem man zurechtkommen muss. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass eine ungeklärte Ursache nicht bedeutet, dass es keinen Weg nach vorn gibt. Viele Menschen in dieser Situation tragen später erfolgreich eine Schwangerschaft aus.

Der Ablauf der RPL-Diagnostik und Abklärung

Eine strukturierte Untersuchung beginnt in der Regel nach zwei oder mehr Verlusten, wobei manche Ärzte je nach individueller Vorgeschichte, Alter oder vorheriger Kinderwunschbehandlung früher mit der Abklärung beginnen. Ein Kinderwunschspezialist wird in der Regel zunächst eine ausführliche medizinische und familiäre Anamnese erheben, bevor spezifische Tests empfohlen werden.

  • Karyotypisierung der Eltern: ein Bluttest für beide Partner zur Überprüfung auf balancierte chromosomale Umlagerungen
  • Uterine Bildgebung, wie ein Becken-Ultraschall, eine Kochsalz-Sonografie oder eine Hysteroskopie, zur Beurteilung von Form und Höhle der Gebärmutter
  • Bluttests auf Antiphospholipid-Antikörper zum Screening auf ein Antiphospholipid-Syndrom
  • Schilddrüsenfunktionstests und Screening auf weitere hormonelle Ungleichgewichte wie Prolaktin oder Blutzuckerregulation
  • In manchen Fällen die Untersuchung des Fehlgeburtsgewebes auf chromosomale Anomalien, sofern verfügbar

Nicht jeder Test ist für jede Patientin geeignet, und ein guter Spezialist passt die Abklärung individuell an, statt standardmäßig alle möglichen Tests durchzuführen. Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass manche Tests, die gelegentlich bei RPL vorgeschlagen werden, wie bestimmte Immunpanels oder Screenings auf vererbte Thrombophilien, nur begrenzte oder uneinheitliche Evidenz für ihren Nutzen aufweisen. Dies sollte offen mit Ihrem Arzt besprochen werden.

Wie IVF und PGT-A helfen können

Für Paare, bei denen chromosomale Probleme im Embryo als möglicher Einflussfaktor vermutet werden, ist die In-vitro-Fertilisation kombiniert mit der Präimplantationsdiagnostik auf Aneuploidie, bekannt als PGT-A, eine Option, die besprochen werden kann. Dabei werden im Rahmen einer IVF Embryonen erzeugt, und eine kleine Zellprobe jedes Embryos wird vor der Auswahl eines einzelnen Embryos für den Transfer auf chromosomale Anomalien untersucht.

Ziel von PGT-A im Zusammenhang mit wiederholten Fehlgeburten ist es, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, einen Embryo mit einer chromosomalen Anomalie zu transferieren, der voraussichtlich nicht zu einer fortbestehenden Schwangerschaft führen würde. Wichtig zu verstehen ist, dass PGT-A keine erfolgreiche Schwangerschaft oder Lebendgeburt garantiert, und Studien zu ihrem Gesamtnutzen speziell bei RPL berichten je nach untersuchter Population und Alter der Patientin uneinheitliche Ergebnisse. Sie ist eines von mehreren Werkzeugen, keine universelle Lösung, und ihre Eignung ist von den individuellen Umständen abhängig.

Wird ein anatomisches Problem der Gebärmutter festgestellt, kann eine operative Korrektur, etwa die Entfernung eines Uterusseptums oder Myoms, empfohlen werden, bevor erneut eine Schwangerschaft angestrebt wird – ob durch IVF oder auf natürlichem Weg. Wird ein Antiphospholipid-Syndrom diagnostiziert, sind Behandlungsprotokolle mit blutverdünnenden Medikamenten während der Schwangerschaft gut etabliert und durch Evidenz belegt. Werden Schilddrüsen- oder Hormonstörungen festgestellt, ist deren Korrektur vor der Empfängnis Standardvorgehen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Verluste gelten als wiederholte Fehlgeburt?

Die meisten Definitionen gehen von zwei oder mehr klinisch anerkannten Schwangerschaftsverlusten aus, wobei manche Organisationen drei festlegen. Viele Spezialisten beginnen bereits nach zwei Verlusten mit einer ersten Abklärung, insbesondere bei Patientinnen über einem bestimmten Alter oder mit weiteren Risikofaktoren.

Bedeutet eine wiederholte Fehlgeburt, dass ich keine Schwangerschaft austragen kann?

Nein. Viele Menschen mit einer Vorgeschichte wiederholter Fehlgeburten tragen später erfolgreich eine Schwangerschaft aus, unabhängig davon, ob eine klare Ursache gefunden wird. Die Ergebnisse variieren je nach Alter und individuellen Faktoren, und ein Kinderwunschspezialist kann helfen, realistische Erwartungen auf Grundlage Ihrer individuellen Vorgeschichte zu formulieren.

Wird nach wiederholten Fehlgeburten immer eine IVF empfohlen?

Nein. IVF ist eine von mehreren Optionen und wird im Allgemeinen in Betracht gezogen, wenn eine konkrete Indikation vorliegt, etwa vermutete chromosomale Probleme des Embryos, oder wenn zusätzlich weitere fertilitätsbezogene Faktoren vorliegen. Viele Fälle von RPL werden durch die gezielte Behandlung einer festgestellten Ursache behandelt und nicht durch IVF.

Sie sind damit nicht allein

Wiederholte Fehlgeburten sind emotional zermürbend, und die Ungewissheit, nicht immer eine klare Antwort zu haben, kann besonders schwer zu tragen sein. Eine sorgfältige, individuelle Abklärung kann in vielen Fällen eine Ursache identifizieren, und selbst wenn dies nicht gelingt, verschließt das nicht die Tür für eine zukünftige Schwangerschaft. Wenn Sie wiederholte Verluste erlebt haben, kann ein Gespräch mit einem Kinderwunschspezialisten über Diagnostik und nächste Schritte Ihnen helfen, Ihre Möglichkeiten zu verstehen und mit einem klareren Plan voranzugehen. Das Team des GynoLife IVF Center in Zypern steht Ihnen zur Verfügung, um Ihre Vorgeschichte zu besprechen, geeignete Untersuchungen zu prüfen und zu klären, ob IVF oder andere Ansätze für Ihre Situation passend sein könnten.

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